Archiv für November 2010

Das holländische Viertel in Brandenburg

Freitag, 05. November 2010

In letzter Zeit wurde die Bildung ausländischer Gemeinden ja meist sehr kritisch beäugt, mit mangelnder Integration gleichgesetzt und als dringend zu lösendes Problem betrachtet. In Brandenburg findet sich hingegen ein solches Viertel, das weder für die Brandenburger noch für die Bewohner der Gemeine ein Problem darstellt: das holländische Viertel.
Mitten in der Stadt liegt dieses urige Stadtviertel, in dem die Uhren plötzlich auf holländisch ticken. Und es blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn schon 1733, als die Arbeiten für die zweite Stadterweiterung Brandenburgs begannen, begann auch die Geschichte des holländischen Viertels. Zu verdanken hat die Stadt das beliebte Viertel dem damaligen Leiter der Stadterweiterung, dem Holländer Johann Boumann. Unter seiner Führung entstanden die 134 Häuser, natürlich – wie könnte es anders sein? – aus rotem Backstein und mit Giebel. Über vier Blöcke, die durch die Benker- und die Mittelstraße laufen, erstreckt sich das Viertel, das als das größte Kulturdenkmal im holländischen Stil in Europa gilt – von den Niederlanden selbst natürlich einmal abgesehen.
Sehr groß ist das Viertel also nicht, aber dennoch hat es sich in sich und wer eine Reise nach Brandenburg macht, sollte dem holländischen Viertel unbedingt einen Besuch abstatten. Denn das echt holländische Gefühl mitten in Brandenburg hat etwas herrlich sonderbares. Es gibt urige kleine Cafés und Kneipen und jede Menge kleine Lädchen mit skurrilen kleinen Mitbringseln, selbst gemachten Pralinen oder ausgefallenen Kleidern. Zur Zeit des Tulpenfestes kann man sogar an echt niederländischen Traditionen inklusive Folkloretänzen und wunderbarem Blumenschmuck teilhaben.
Einziger Wehrmutstropfen: Ein Geheimtipp ist das holländische Viertel nicht gerade. Zu kaum einer Jahreszeit kann man wirklich in Ruhe oder gar allein durch die kleinen Gassen schlendern. Aber auch das ist ja irgendwie typisch holländisch, denn wann fährt man schon einmal in die Niederlande ohne von jeder Menge anderer deutscher Touristen dabei gestört zu werden?